Die alte Uhr

Bald hättest, alte Rathausuhr,
du nimmer dürfen Stunden weisen;
sie hätten bald in altem Eisen
versplittert deine letzte Spur.

Der Geizhals hätt zum letztenmal
sein Haupt gewiegt in starrem Trotzen,
zum letztenmal der Tod mit Glotzen
geschwungen seinen Sensenstahl.

Dann hätt der Hahn auch ausgekräht.
Und heut noch kräht er, freilich heiser,
noch nickt der Geizhals fort, und leiser
droht ihm des Todes Majestät.

Aus Larenopfer
Entstanden 1896

Rainer Maria Rilke (1875 – 1926)

Dieses und weitere Gedichte von Rainer Maria Rilke auf meiner Website.


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6 Kommentare zu Die alte Uhr

  1. do sagt:

    Schön, mal wieder an Rilke erinnert zu werden. Ich habe seine Gedichte schon immer gemocht.
    Herzlich, do

    • Agnes sagt:

      Ich bin auch ein großer Rilke Fan, daher habe ich wohl auch so viele Gedichte von ihm auf meiner Website.

  2. Rilke … immer wieder gerne!
    Und nun meine Frage: Wo befindet sich diese wundervolle alte Uhr?
    Du hast sie sicher auf einer Deiner zahlreichen Reisen fotografiert!
    Eine erfreuliche Woche wünsche ich Dir, Agnes!
    Helga

  3. Elke sagt:

    Ich mag Rilke auch.

    Herzliche Grüsse
    Elke

    • Agnes sagt:

      Ich habe einige CDs „Rilke Projekt“ da werden die Gedichte vorgelesen, aber sowas von schön vorgelesen, das ist ein Hörgenuß.

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